Technik-Ratgeber · Hebetechnik

Tragfähigkeit von Ringschrauben und Ringmuttern richtig beurteilen

Gewindegröße allein genügt nicht: Last­richtung, Anschlagart, Montage und konkrete Herstellerfreigabe entscheiden über die zulässige Arbeitslast.

Aktualisiert: Lesezeit: ca. 8 Minuten DIN 580 / DIN 582
Technische Bezeichnungen und Tragfähigkeitsangaben einer Ringschraube nach DIN 580

Die kurze Antwort: Nein, eine Ringschraube trägt nicht in jeder Richtung gleich viel. Die höchste zulässige Last gilt üblicherweise nur für die dafür ausgewiesene Belastungsrichtung. Bei Schrägzug oder mehrsträngigen Anschlagarten können deutlich niedrigere Werte gelten.

Die abgebildete Tabelle hilft bei der Orientierung. Verbindlich sind jedoch immer Kennzeichnung, Betriebsanleitung, Tragfähigkeitstabelle und Freigaben des konkreten Produkts.

Last­richtung prüfenAxialzug, Schrägzug und Seitenzug unterscheiden.
WLL beachtenNur die ausgewiesene zulässige Arbeitslast ansetzen.
Produktdaten gehen vorHerstellerangaben und Kennzeichnung sind maßgeblich.

Tragfähigkeitstabelle nach Größe und Anschlagart

Die Tabelle zeigt Tragfähigkeiten für verschiedene Gewindegrößen und dargestellte Anschlagfälle. Lesen Sie den Wert immer in der Zeile der tatsächlichen Belastungssituation ab – nicht allein anhand des Gewindedurchmessers.

Tragfähigkeitstabelle für Ringschrauben und Ringmuttern nach Gewindegröße und Belastungsrichtung

Zum Vergrößern auf die Tabelle klicken. Die Darstellung ersetzt nicht die produktbezogene Betriebsanleitung oder Gefährdungsbeurteilung.

Referenzwerte für Ringschrauben DIN 580 je Ringschraube
Gewinde F1: axialer Zugin Achsrichtung F2: Schrägzug bis 45°in Ringebene F3: Schrägzug bis 45°quer zur Ringebene
M675 kg750 N55 kg550 N38 kg380 N
M8140 kg1.400 N100 kg1.000 N70 kg700 N
M10230 kg2.300 N170 kg1.700 N115 kg1.150 N
M12340 kg3.400 N240 kg2.400 N170 kg1.700 N
M16700 kg7.000 N500 kg5.000 N350 kg3.500 N
M201.200 kg12.000 N860 kg8.600 N600 kg6.000 N
M241.800 kg18.000 N1.290 kg12.900 N900 kg9.000 N
M303.200 kg32.000 N2.300 kg23.000 N1.600 kg16.000 N
M364.600 kg46.000 N3.300 kg33.000 N2.300 kg23.000 N

Quelle und Geltungsbereich: Werte nach dem aktuellen Hersteller-Normblatt DIN 580 von Ganter für die dort aufgeführten Stahl- und Edelstahlausführungen. Die Ringschraube muss vollständig eingeschraubt sein und vollflächig aufliegen. Vor dem Einsatz sind die Kennzeichnung und die Betriebsanleitung des tatsächlich gelieferten Produkts maßgeblich. Herstellerangaben öffnen →

So lesen Sie die Tabelle in fünf Schritten

Konkretes Bauteil bestimmenRingschraube DIN 580, Ringmutter DIN 582 oder ein drehbarer Anschlagpunkt sind technisch nicht gleichzusetzen.
Gewindegröße und Werkstoff abgleichenDie Tabelle muss ausdrücklich zum eingesetzten Produkt, Werkstoff und Abmessungsbereich gehören.
Tatsächliche Lastrichtung feststellenAxialer Zug, geneigte Belastung und Belastung quer zur Ringebene führen zu unterschiedlichen Beanspruchungen.
Anzahl und Winkel der Stränge berücksichtigenBei mehreren Anschlagpunkten zählen Strangwinkel, Lastverteilung und die Zahl der tatsächlich tragenden Stränge.
Niedrigsten zulässigen Wert verwendenBauteil, Anschlagmittel, Gegen­gewinde und Grundwerkstoff müssen der gesamten Belastung sicher standhalten.

Warum die Lastrichtung so entscheidend ist

Axiale BelastungDie Kraft wirkt in Richtung der Schraubenachse. Für diesen klar definierten Lastfall weisen starre Ringschrauben üblicherweise ihre höchsten Tabellenwerte aus.
Geneigte oder seitliche BelastungZusätzliche Biege- und Querkräfte können entstehen. Verwenden Sie ausschließlich den dafür ausgewiesenen Tabellenwert und die zulässige Ausrichtung.
Wichtig: Eine starre Ringschraube darf nicht automatisch wie ein allseitig belastbarer Anschlagpunkt behandelt werden. Bei wechselnden Zugrichtungen können dreh- oder schwenkbare Anschlagpunkte die geeignetere Lösung sein – sofern sie für den konkreten Lastfall ausgelegt sind.

Montage- und Prüfcheck vor jedem Hebevorgang

  • Produkt eindeutig identifizieren: Norm, Größe, Werkstoff, WLL und Herstellerkennzeichnung müssen lesbar sein.
  • Gewinde kontrollieren: Beschädigte, verschmutzte oder korrodierte Gewinde nicht verwenden.
  • Vollständig montieren: Die Auflagefläche muss entsprechend der Produktanleitung vollständig und plan anliegen.
  • Gegen­gewinde bewerten: Einschraubtiefe, Festigkeit und Grundwerkstoff müssen die Last sicher aufnehmen können.
  • Zugrichtung ausrichten: Ringebene und Last­richtung müssen dem freigegebenen Anschlagfall entsprechen.
  • Bauteil prüfen: Bei Verformung, Rissen, starkem Verschleiß oder Korrosion das Teil nicht weiterverwenden.
  • Keine Eigenlösungen: Unterlegteile, Nacharbeit, Schweißen oder Erwärmen nur, wenn der Hersteller dies ausdrücklich vorsieht.

DIN 580 und DIN 582: der wesentliche Unterschied

Ringschraube DIN 580Besitzt ein Außengewinde und wird in ein ausreichend tragfähiges Innengewinde eingeschraubt.
Ringmutter DIN 582Besitzt ein Innengewinde und wird auf ein ausreichend tragfähiges Außengewinde beziehungsweise einen Bolzen aufgeschraubt.

Für beide Ausführungen gilt: Eine passende Gewindegröße allein beweist noch keine sichere Verbindung. Entscheidend ist das gesamte System aus Anschlagpunkt, Gegen­gewinde, Auflage, Bauteil und Belastungsrichtung.

Bezeichnungen und Abmessungen am Beispiel DIN 580

Maße und Kennzeichnungen einer Ringschraube DIN 580

Darauf kommt es an

  • Gewinde und Nenngröße
  • Lesbare Tragfähigkeits- und Herstellerangaben
  • Freigegebene Kraftrichtung
  • Vollständige, plane Anlage

Häufige Fragen

Was bedeutet WLL?

WLL steht für „Working Load Limit“, also die zulässige Arbeitslast unter den festgelegten Einsatzbedingungen. Sie ist nicht mit der Bruchlast gleichzusetzen.

Darf eine Ringschraube schräg belastet werden?

Nur innerhalb der für das konkrete Produkt freigegebenen Richtung und mit dem dafür angegebenen, häufig reduzierten WLL-Wert. Produktanleitung und Tragfähigkeitstabelle sind verbindlich.

Kann ich jede Ringschraube für wechselnde Zugrichtungen einsetzen?

Nein. Bei wechselnden Richtungen sollte geprüft werden, ob ein dafür konstruierter dreh- oder schwenkbarer Anschlagpunkt erforderlich ist.

Gilt eine Tabelle automatisch für Edelstahl und Stahl?

Nein. Werkstoff, Temperaturbereich, Normausführung und Herstellerfreigabe müssen zur jeweiligen Tabelle passen. Pauschale Übertragungen sind nicht sicher.

Was ist bei einer Ringmutter besonders wichtig?

Sie muss entsprechend der Produktanleitung vollständig aufgeschraubt sein und plan anliegen. Außengewinde, Bolzen und Grundbauteil müssen ausreichend dimensioniert sein.

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Sicherheitshinweis

Dieser Ratgeber unterstützt bei der ersten Einordnung, ersetzt aber weder die Betriebsanleitung des Herstellers noch eine fachkundige Auswahl, Prüfung oder Gefährdungsbeurteilung. Bei Unklarheiten darf der Anschlagpunkt nicht eingesetzt werden.

Normen und technische Regeln können sich ändern. Verwenden Sie stets die zum konkreten Produkt gehörenden aktuellen Unterlagen.